Das Kaffeemuseum Centro de Ciência do Café: Wer gerne Kaffee trinkt, muss in Portugal diesen Ort besuchen

Das Bild zeigt die Außenansicht des Centro do Ciênca do Café in Campo Maior, Portugal
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Das Centro de Ciência do Café liegt vielleicht etwas abseits der touristisch ausgelatschten Pfade, nämlich im Alentejo auf Höhe von Lissabon nahe an der spanischen Grenze in Campo Maior. Aber es lohnt sich. Und selbst Kinder langweilen sich in diesem Kaffeemuseum in Portugal nicht, versprochen.

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Seit 2014 existiert dieser von Delta Cafés und europäischen Fördermitteln finanzierte Ort, der sich ganz dem magischen Getränk widmet, das uns morgens für den Tag wappnet oder nach einem ausgedehnten Mahl den Magen schließt. Delta Cafés, 1961 von Rui Nabeiro in Campo Maior gegründet, wo auch heute noch deren Hauptsitz angesiedelt ist, hat sich sukzessive zum Marktführer in Sachen Café in Portugal hochgeackert. Das Delta-Logo findet sich wirklich an jeder Snack-Bar in Portugal,genauso wie die typischen roten Plastikstühle. Vermutlich ist das Café-Museum vor allem ein Statussymbol für diese Firma. Zumindest haben wir an unserem Besuchstag nicht viele andere Gäste entdecken könnenund haben daraus geschlossen, dass es kräftig vom Konzern subventioniert wird..

Geöffnet hat das CCC täglich: In der Woche von 10-18 Uhr, am Wochenende jeweils 10-14 Uhr. Laut Webseite solllte man für den Besuch etwa 90 Minuten einplanen, wir haben sogar 3 Stunden dort verbracht. 

Bereits das Willkommen war ausgesprochen herzlich: Wir hatten online etwas von Kaffee-Tasting gelesen,waren aber nicht sicher, ob wir die 5,- € zusätzlich zu den 8,- € regulärem Eintritt investieren wollen. Der Kasseur versprach uns überschwänglich, dass wir unsere Entscheidung dafür nicht bereuen würden. Und genauso ist es auch gekommen.

Die Ausstellung im Kaffeemuseum in Portugal

Bis zum Tasting, das in der Woche viermal täglich und am Wochenende einmal täglich stattfindet, hatten wir aber noch eine Stunde Zeit, so dass wir erst einmal das Museum erkundeten. Ein anderer Mitarbeiter wies uns dafür zunächst in Aufbau und Struktur des Museums ein und gab uns eine Sprachkarte mit, die wir bei den interaktiven Teilen der Ausstellung nutzen konnten, um die Wiedergabe auf Englisch einzustellen. Los ging der Rundgang zunächst mit dem Gewächshaus, in dem Kaffeepflanzen und andere tropische Pflanzen wuchsen. Außerdem gab es allerlei Informationstafeln: Schädlinge von Kaffeepflanzen, Anbaugebiete und Informationen über die drei verschiedenen  Typen von Kaffeebohnen: Robusta und Arabica kennen sicher viele, aber wusstest du, dass es auch noch einen dritten Typ, Moka, gibt? Wir jedenfalls nicht.

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Kaffeepflanzen im tropischen Gewächshaus des Kaffeemuseums

Darauf ging es im Sauseschritt zu einem Abriss der frühen und neueren Geschichte des Kaffeeanbaus. So kamen dort auch ehemalige Schmuggler zu Wort die zu den Zeiten der Diktaturen in Portugal und Spanien das wertvolle Gut zu Fuß und per Auto nach Spanien transportiert hatten. Kinder, die sich dabei vielleicht langweilen, können sich die Zeit mit einem Computerspiel vertreiben, in dem sie als Schmuggler die Ware so transportieren müssen, dass sie dabei nicht von der Polizei entdeckt werden. 

Das “Tasting”

Nachdem wir diesen Teil der Ausstellung angesehen hatten, wurde es Zeit für unser Tasting. Alle, die das Museum besuchen, haben sowieso einen Espresso mit der hauseigenen Mischung inklusive, so auch wir. Der war uns etwas zu sauer aber dafür sehr vollmundig. Tasting klingt etwas missverständlich für das,was danach kam: Es war eher eine Demonstration, bei der der Barista 3 Kaffee-Getränke vor unseren Augen zubereitet und erklärt hat, das vierte, eine Art Kaffee-Slushie war bereits fertig (und lecker!). Auf der Terrasse am Eingang haben wir dann mit der Sonne auf der Nase unsere Getränke genossen, ehe wir uns, einen halben Meter über dem Boden vibrierend durch das ganze Koffein, den Rest der Ausstellung ansahen: Es gab schließlich noch Dinge über Kaffeeröstung und -aromen sowie Transportrouten zu lernen. Die Kleinen kommen auch im zweiten Teil der Ausstellung nicht zu kurz. Dort gibt es einen extra Spiel- und Tobebereich inklusive Bällebad nur für sie.

Cold Brew Flasche aus dem Shop

Zu guter Letzt waren wir dann noch im an das Museum angeschlossenen Shop. Dort wird neben den im Haus gerösteten Kaffees auch allerlei Zubehör zur Kaffeezubereitung angeboten. Wir haben eine Cold Brew Flasche * mitgenommen, die sehr milden und leckeren kalten Kaffee ohne jegliche Bitterstoffe liefert.

Barista in Aktion

Kritik

Einziger Wermutstropfen: Wie alle europäischen Länder hat auch Portugal eine dunkle koloniale Vergangenheit, ohne die der Kaffeeanbau und -handel so nicht zustandegekommen wäre und auch heute profitiert das Land natürlich noch von diesen historisch gewachsenen Strukturen. Die Infotafeln im geschichtlichen Teil der Ausstellung sprechen zwar über Kolonien und Sklav*innen, deren Arbeit für den Kaffeeanbau und -transport nötig war, ordnen dies aber an keiner Stelle (oder zumindest haben wir keine gefunden) kritisch ein.

Fazit

Wir haben selten ein Museum erlebt, in dem die Inhalte so interessant und eingängig aufbereitet sind wie hier. Das Centro de Ciência do Café in Campo Maior, Portugal lohnt sich für alle, die diesem wunderbaren braunen Gesöff genauso zugetan sind wie wir und selbst Kinder sollten sich bei einem Besuch nicht langweilen. Wer also auf seiner Reise durch Portugal in der Gegend ist, sollte unbedingt einen Halt einplanen. Und selbst ein Umweg lohnt sich.

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